Vattenfall und Terralyr haben den nach eigenen Angaben branchenweit ersten Multi-Asset-Capacity-Toll für Batteriespeicher vollständig in Betrieb genommen. Nach dem gestaffelten Hochlauf stehen Vattenfall jetzt insgesamt 55 Megawatt Speicherleistung zur Verfügung. Dafür bündelt Terralyr über die Flexibilitäts-Plattform LAYR acht dezentrale Großspeicher in Deutschland zu einer steuerbaren, aggregierten virtuellen Batterie.
Anders als beim physischen Batterie-Tolling bezieht sich die Nutzung nicht auf eine einzelne physisch identifizierbare Batterie, die direkt vom Toller angeschlossen und gesteuert wird. Dennoch findet die Stromlieferung entsprechend der Signale von Vattenfall – anders als bei rein finanziell strukturierten virtuellen Tolls – physisch statt, gedeckt von einem realen Portfolio von Speichern.
Virtuelle Tolling-Modelle dieser Art ermöglichen Energiehändlern, Versorgern oder Industrieunternehmen eine standardisierte Beschaffung von dringend notwendigen Kapazitäten ohne eigene Investition oder Betriebsaufwand.
Die Anlagen bleiben im Bilanzkreis und Regelleistungspool von Terralyr. Vattenfall erhält die wirtschaftlich nutzbare Flexibilität aus dem aggregierten Portfolio, während Terralyr über LAYR die technische Bündelung, Einsatzsteuerung und bilanzielle Abwicklung übernimmt.
Modell berücksichtigt flexible Netzanschlussvereinbarungen
Wie funktioniert das Modell in der Praxis? Ein Beispiel: Vattenfall entscheidet basierend auf Marktsignalen und Portfoliobedarf etwa, 25 Megawatt für eine Stunde zu laden sowie zur Unterstützung des Netzes 30 Megawatt in der Regelleistung zu bieten. Die Plattform LAYR verteilt diesen Abruf, nebst den Signalen anderer Abnehmer, automatisiert und lastoptimiert auf das dahinterliegende Portfolio von Speichern. Vattenfall kann mit der Kapazität alle Großhandelsmärkte sowie die Primär- und Sekundärregelleistung bedienen.
Das Portfolio reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Speicherstandort: Fällt ein Speicher aus, verteilt LAYR die Einsatzplanung auf die verbleibenden Speicher im Portfolio. Gerade im Kontext zunehmend verbreiteter Einschränkungen einzelner Speicher durch sogenannte flexible Netzanschlussvereinbarungen kann dies Terralyr zufolge sehr hilfreich sein. Auch die natürliche Degradation der Batterien sei im Kapazitätsmodell berücksichtigt: Die verfügbare Leistung folgt den garantierten Degradationskurven der eingebundenen Speicher.
Weitere Speicherleistung ist per Mausklick zuschaltbar
Terralyr verweist darauf, dass Versorger wie Vattenfall so Flexibilität ohne den klassischen Aufwand der Betreiberrolle beschaffen können, ohne eigene Investitionskosten, bilanzneutral und auch skalierbar. Denn weitere physische Speicher könnten standardisiert an die LAYR-Plattform angebunden und in virtuelle Portfolios integriert werden.
Auch Unternehmen, die eigene Batterien nicht vollumfänglich nutzen, können ihre Kapazität über die LAYR-Plattform vermarkten, so Terralyr. Vattenfall könne sie sich künftig per Klick zuschalten.
„Für die Vermarktung erneuerbarer Energien wird kurzfristig verfügbare Flexibilität immer wichtiger“, sagt Björn Schneegans, Director Commodity Origination bei Vattenfall. „Das virtuelle Batterieportfolio von Terralyr ermöglicht uns, Speicherkapazität skalierbar in unsere Handelsprozesse einzubinden.“
„Das ist der erste operative Multi-Asset-Capacity-Toll für Batteriespeicher in Europa, wenn nicht sogar weltweit – vollständig geliefert und stabil im Betrieb“, erklärt Philipp Man, Co-Founder und CEO von Terralyr. Speicherflexibilität werde damit so beschaffbar wie Cloud-Kapazität: standardisiert und skalierbar.