Fast drei Jahre ist es her, dass Shell ankündigte, sich von seiner 100-prozentigen Tochtergesellschaft Sonnen trennen zu wollen und einen neuen Investor oder doch mindestens Mehrheitseigner zu suchen. Vor wenigen Tagen nun ist der Verkauf über die Bühne gegangen. Offizielle Verlautbarungen von Unternehmensseite blieben dazu aus, allerdings hatte das „Handelsblatt“ davon erfahren und vor rund zwei Wochen darüber berichtet.
Auf Nachfrage von pv magazine bestätigte Shell den abgeschlossenen Verkauf von Sonnen an Tiven. „Dieser Schritt unterstützt unsere laufenden Bemühungen zur Optimierung unseres Portfolios. Wir sind überzeugt, dass Tiven und Aurelius Water Rise gut aufgestellt sind, die weitere Entwicklung von Sonnen zu unterstützen“, erklärte eine Sprecherin.
Tiven gilt als internationaler Vermögensverwalter und Family Office. Es hat eine Außenstelle in München, die aber unter der angegebenen Nummer telefonisch nicht erreichbar ist. Auch eine Anfrage per Mail von pv magazine blieb zunächst unbeantwortet. Zentrale Figur bei Tiven ist Gert Purkert, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Er ist Geschäftsführer von Tiven, hat auch Aurelius gegründet und ist ein ehemaliger Berater von Mc Kinsey.
Auch von Sonnen war zunächst keine Rückmeldung zu bekommen.
Das „Handelsblatt“ hatte berichtet, dass Tiven Sonnen sanieren wolle, um es „für den Weiterverkauf fit zu machen“. Nähere Details konnte das Blatt auch nicht in Erfahrung bringen. Der Kaufpreis soll in einem niedrigen dreistelligen Millionenbereich gelegen haben, heißt es mit Verweis auf Insider. Shell selbst habe Sonnen 2019 für fast 500 Millionen Euro übernommen. Aufgrund der schlechten Geschäftszahlen des Heimspeicher-Anbieters in den vergangenen Jahren und einer zusätzlichen Finanzspritze im Jahr 2024 zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs von Sonnen spricht das „Handelsblatt“ daher von einem „milliardenschweren Verlustgeschäft“ für Shell.
Auf der The smarter E Europe in München war Sonnen in diesem Jahr nicht mit einem eigenen Stand, sondern lediglich mit einer „Coffee Corner“ vertreten. Andreas Plenk, Chief Revenue Officer bei Sonnen, hatte dies in einem Interview mit pv magazine kurz vor der Messe mit einer geänderten Vertriebs- und Marketingstrategie in Deutschland begründet. Angesprochen auf die Geschäftszahlen erklärte Plenk: „2025 sind wir trotz eines insgesamt rückläufigen Marktes wieder gewachsen und auch in diesem Jahr sind unsere Auftragsbücher schon gut gefüllt. Generell zieht die Nachfrage nach zwei schwächeren Jahren langsam wieder an. Gleichzeitig zögern aber viele Installateure damit, ihre Kapazitäten wieder auszubauen. Dahinter steckt oft Unsicherheit, ob der Aufwärtstrend anhält. Unser Ansatz bietet ihnen in dieser unsicheren Phase einen Mehrwert. Wir tauschen dafür etwas Lautstärke auf der Messe gegen mehr Service und eine engere Zusammenarbeit mit unseren Partnern ein.“
Wie sich das in Zukunft gestaltet, wird sich zeigen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es allerdings keine öffentlich zugänglichen Informationen, wie es bei Sonnen weitergeht.