Netzentgeltreform, Netzpaket, flexible Anschlussvereinbarungen: Angesichts der laufenden Anpassungen des Marktdesigns sind die Rahmenbedingungen für Investitionen in Großspeicher derzeit unsicher. Das verlangsamt den Hochlauf dieser notwendigen Flexibilisierungstechnologie.
Einem im Auftrag des Allgäuer Großspeicher-Entwicklers und -Betreibers Green Flexibility erstellten Gutachten des Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln zufolge führt das zu spürbaren Effizienzverlusten im deutschen Stromsystem. Mit einem schnelleren Ausbau würden Haushalte und Unternehmen 2035 um bis zu 2,8 Milliarden Euro entlastet, durch niedrigere Großhandelspreise genauso wie durch geringere Netzkosten.
Die Forscher haben für ihr Gutachten zwei Ausbaupfade von Großbatteriespeichern untersucht: einen steilen Pfad mit 32 Gigawatt installierter Leistung 2030 und 57 Gigawatt 2035, der sich in der langen Frist am Szenario B des Netzentwicklungsplans Strom 2037 orientiert, und einen flachen Pfad mit zwölf Gigawatt installierter Leistung 2030 und 19 Gigawatt 2035, der aktuelle regulatorische Unsicherheiten und potenzielle Verzögerungen durch Netzanschluss- und Genehmigungsprozesse berücksichtigt.
Schnellerer Zubau lässt Marktwert Solar steigen
Das Gutachten zeigt unter anderem, dass der beschleunigte Ausbau das durchschnittliche Preisniveau an der Strombörse im Jahr 2030 um etwa zwei Euro pro Megawattstunde und 2035 um rund drei Euro pro Megawattstunde senkt. Damit dämpfen die Großspeicher das mittlere Strompreisniveau 2035 um bis zu fünf Prozent.
Zugleich verringern sie die Preisvolatilität in 2035 um bis zu 26 Prozent, indem sie gezielt Hochpreisstunden kappen und Niedrigpreisstunden füllen. Das stabilisiert die Strompreise. Auch nimmt die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Stundenpreis innerhalb eines Tages ab: Die tägliche Preisspanne fällt mit einem beschleunigten Zubau 2030 um 18 Prozent und 2035 um 25 Prozent geringer aus.
Photovoltaik-Anlagen profitieren zudem davon, dass bei einem schnelleren Hochlauf der Marktwert Solar steigt – in 2035 um knapp vier Euro pro Megawattstunde, was 18 Prozent entspricht. Grund ist, dass die Speicher den Solarstrom aus den eher günstigen Mittagsstunden mit hoher Photovoltaik-Einspeisung in Stunden mit höheren Preisen verschieben. Bei Windenergieanlagen wirken sie hingegen dämpfend, da Speicher in windstarken und teils höherpreisigen Stunden entladen und dadurch Preisniveaus reduzieren. Entsprechend sinkt der Marktwert von Wind Onshore leicht um fünf Prozent, bei Wind Offshore sind es zwölf Prozent.
Darüber hinaus reduziert ein beschleunigter Zubau von Großbatteriespeicher die marktliche Abregelung von Erneuerbare-Anlagen bereits 2030 um 36 Prozent. Im Jahr 2035 sind es dem Gutachten zufolge gar 48 Prozent. Auch die netzbedingte Abregelung könnten Speicher reduzieren. Damit würden die Redispatch-Kosten sinken. Allerdings fehlt bislang ein regionales Preissignal zum Zustand der Netzauslastung: In der aktuellen einheitlichen Gebotszone bestehen für Großbatteriespeicher, wie für alle Anlagen, keine Anreize, Netzengpässe in ihrer Fahrweise zu berücksichtigen, so die Kölner Forscher.
Speicher können 2035 Erdgas-Importe um fünf Prozent senken
Was bedeutet all das für die Verbraucher? Die Energiebeschaffungskosten sinken, das das allgemeine Preisniveau im Großhandel bei einem beschleunigtem Zubau niedriger ausfällt. Deutlich geringer fallen dagegen die Ersparnisse bei den Netzkosten aus. Insgesamt dämpft ein schnellerer Hochlauf die Stromkosten aller Verbrauchsgruppen 2030 um bis zu 0,3 Cent pro Kilowattstunde, in 2035 sind es bis zu 0,4 Cent pro Kilowattstunde. Das entspricht einer Gesamtersparnis von bis zu 2,8 Milliarden Euro.
Darüber hinaus wird das deutsche Stromsystem resilienter, da Großbatteriespeicher heimischen Erneuerbare-Strom und Gas- und Steinkohlekraftwerke in Stunden hoher Residuallast verdrängen. Der Bedarf an Erdgas-Importen sinkt 2030 um vier Prozent, 2035 sind es fünf Prozent. Bei Steinkohle beträgt das Minus 2030 neun Prozent und 2035 ein Prozent.