Mit dem 1. Juni 2026 kommt Bewegung in den deutschen Energiemarkt. Energy Sharing wird möglich gemacht. Gemeint ist damit das Teilen von selbst erzeugtem Strom mit anderen Verbrauchern. Aber, und da sind wir uns sicher, ganz so leicht wird es nicht.
Während Deutschland noch über regulatorische Details, wie Einsparungen bei Netzentgelten diskutiert, hat Österreich Energy Sharing bereits seit 2021 praxistauglich umgesetzt. Derzeit sind in Österreich bereits über 6000 Energy-Sharing-Modelle im Betrieb. Wir von Nobile Energy betreuen davon inzwischen über 250. Der entscheidende Vorteil: einfache regulatorische Strukturen, reduzierte Stromkosten und gemeinsame Wertschöpfung.
Das macht lokale Stromnutzung wirtschaftlich attraktiv. Für Erzeuger genauso wie für Investoren. Solarstrom kann innerhalb eines Energy-Sharing-Pools effizient verteilt werden, ohne dass Photovoltaik-Anlagen über regulatorisch komplexe Vermarktungs- oder Einspeisemodelle abgewickelt werden müssen.
Deutschland macht es unnötig schwierig
Mit Paragraf 42c im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) wollte Deutschland die gemeinschaftliche Versorgung ermöglichen und die überfällige EU-Richtline umsetzen. In der Praxis bleibt das Modell jedoch zu komplex und zahnlos. Weiterhin fehlen wesentliche Rahmenbedingungen am Markt.
Gerade für Wohnungswirtschaft, Quartiere oder größere Immobilienportfolios entstehen hohe Anforderungen bei Rollenmodellen, Abrechnung und energiewirtschaftlicher Umsetzung. Viele Betreiber fragen deshalb nicht, ob Energy Sharing attraktiv ist, sondern ob sich der damit verbundene Aufwand überhaupt lohnt.
Die technische Lösung existiert bereits
Dabei funktioniert Energy Sharing in Deutschland schon heute über das bereits regulatorisch verankerte Bilanzkreismodell.
Genau hier setzen wir von Nobile Energy an. Als Energielieferant setzen wir Energy Sharing bereits auf Basis der bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen um und ermöglichen Anlagenbetreibern sowie Verbrauchern eine rechtskonforme und skalierbare Umsetzung.
Dabei profitieren alle Teilnehmer des Energy-Sharing-Modells durch höhere Eigenverbrauchsquoten und dadurch verbesserte Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik-Anlagen. Außerdem lässt sich das Modell zum Beispiel für Mehrfamilienhäuser und Quartiere skalieren. Insgesamt entsteht günstigerer Strom für die Verbraucher sowie Preisstabilität durch Entkoppelung von Großhandelsmärkten.
Der entscheidende Punkt ist, dass alle Teilnehmenden des Energy-Sharing-Modells sich für Nobile Energy als Reststromlieferanten entscheiden. Nur dann gehören sie einem gemeinsamen Bilanzkreis an und können Strom teilen. Dadurch entsteht ein gemeinsamer energiewirtschaftlicher Rahmen, in dem lokal erzeugter Solarstrom intelligent verteilt und bilanziert werden kann.
Der Markt ist weiter als die Regulierung
Österreich zeigt längst, dass einfache Regeln zu mehr Investitionen, einem schnelleren Photovoltaik-Ausbau und verbesserter Wirtschaftlichkeit führen.
Deutschland hingegen behandelt Energy Sharing weiterhin eher als regulatorisches Risiko, statt darin eine wirtschaftliche Chance zu sehen. Allerdings sind Erzeuger sowie Verbraucher auf der Suche nach alternativen Modellen zu klassischer Versorgung und Vermarktung und daher bereits nahe an der Umsetzung von Energy Sharing dran.
Bis die Politik aufholt, braucht der Markt Lösungen, die heute funktionieren. Das Bilanzkreismodell ist genau das.

— Der Autor Morien El Naib ist Energy Sharing Lead bei Nobile Energy, einem Anbieter für Energy Sharing und hybride Energieversorgung in Österreich und Deutschland. Kontakt: morien.elnaib@nobile.energy und LinkedIn: www.linkedin.com/in/morien-el-naib—