Die Datenbasis in der Marktübersicht, die pv magazine wieder in der Kooperation mit dem HEMS-Finder aus dem Forschungsprojekt der Hochschule Ansbach erhalten hat, zeigt den Erfolg des Segments und gleichzeitig das Dilemma. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der verfügbaren Heimenergiemanagementsysteme von 43 auf 76 nahezu verdoppelt. Der Markt ist attraktiv, in der neuen Energiewelt werden Heimenergiemanagementsysteme benötigt, doch die Wahl wird schwieriger.
pv magazine hat für die Marktübersicht die Daten des HEMS-Finders ausgewertet. Das Tool ist eine webbasierte Plattform, wo Hersteller ihre Daten kontinuierlich aktualisieren können. Es enthält nicht nur die Angaben zu den Funktionen der Angebote, sondern auch die Liste mit den Kompatibilitäten von unter anderem individuellen Wechselrichtern, Wärmepumpen und Wallboxen, nach denen Anwender gezielt suchen können (siehe Interview mit dem Initiator). Auch wenn viele Systeme in der Datenbank auf den ersten Blick ähnlich aussehen, gibt es einige Differenzierungsmerkmale.
Übersicht Heimenergiemanagementsysteme
pv magazine hat für die Marktübersicht die Daten des HEMS-Finders ausgewertet. Dort können die Hersteller ihre Speuzifikationen hinterlegen. Anwender können dort gezielt nach Systemen suchen, die zur verbauten Hardware (Batteriespeicher, Wechselrichter, Wärmepumpe, Wallbox unter anderem) passen.
Hier finden Sie die layoutete HEMS-Übersichtstabelle aus der pv magazine-Ausgabe Juni 2026 mit den wichtigsten Systemeigenschaften im Vergleich. Die genauen Funktionalitäten sind im Hems-Finder gelistet.
Weitere Informationen, die Premium Selection und Links finden Sie auch auf den Marktübersichtsseiten von pv magazine.
www.pv-magazine.de/hems
Differenzierungsmerkmal 1: Stromkostenoptimierung. „Die Eigenverbrauchsoptimierung mit Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox ist eine Standardfunktion, die inzwischen jeder bietet“, sagt Thomas Haupt, Initiator und Entwickler des HEMS-Finders. Wer sich für die Steuerung von Heizstäben, Smart-Plugs oder eines Elektroautos über die Fahrzeug-API in der Cloud interessiert, muss aber genauer schauen. Die Optimierung der Batteriespeicherladung auf dynamische Tarife geben auch fast alle Hersteller an. Doch die Verschiebung des Wärmepumpeneinsatzes abhängig von den dynamischen Strompreisen oder die Ladesteuerung über die Elektroauto API beherrschen weniger Systeme.
Große Unterschiede gibt es bei den Angaben zu den zeitvariablen Netzentgelten nach dem sogenannten Modul 3. Diese können noch einen größeren ökonomischen Vorteil bringen als die dynamischen Stromtarife, wobei sie am besten in Kombination genutzt werden sollten. Während sich die dynamischen Stromtarife für alle Anbieter entsprechend den Schwankungen am Strom-Spotmarkt gleich verhalten, unterscheiden sich die zeitvariablen Netztarife von Netzbetreiber zu Netzbetreiber.
Die Übersicht enthält daher die Angabe, wie man als Nutzer des Heimenergiemanagements diese Preispunkte eingibt. Die komfortabelste Lösung ist sicherlich eine All-in-one-Preiskurve, bei der die Anbieter der Heimenergiemanager mit Tarifanbietern zusammenarbeiten und diese die zeitvariablen Netzentgelte und dynamischen Strompreise in einer Preiskurve übergeben. Eine andere Möglichkeit ist es, die Postleitzahl einzugeben, anhand derer der Systemanbieter die Tarife des entsprechenden Netzbetreibers bereitstellt. Die manuelle Eingabe sieht Haupt wegen der Vielzahl an Datenpunkten kritisch. Außerdem ist aus dem Markt zu hören, dass Netzbetreibern zwar ihrer regulatorischen Pflicht nachkommen und Preise für variable Tarifoptionen angeben, man diese aber auf Nachfrage noch nicht flächendeckend buchen kann.
| Funktion oder Eigenschaft | Anteil |
|---|---|
| Open-Source-Angebot | 5,2 % |
| All-in-One-Preiskurve für zeitvariable Netzentgelte | 18,2 % |
| EEBus-Anbindung an Steuerbox für § 9-EEG-Abregelung | 27,9 % |
| Vertrieb an Endkunden | 42,9 % |
| EEBus-Anbindung an Steuerbox für § 14a-Dimmung | 48,1 % |
| Relais-Anbindung an Steuerbox für § 14a-Dimmung | 58,4 % |
| Vertrieb über Großhandel | 59,7 % |
| Eigenverbrauchsoptimierung mit Smart Plugs | 64,9 % |
| Bezugsoptimierung mit Heizstab | 64,9 % |
| Vertrieb an Installateure direkt | 72,7 % |
| Herstellerunabhängig | 74,0 % |
| Eigenverbrauchsoptimierung mit Heizstab | 79,2 % |
| Bezugsoptimierung mit Wärmepumpe | 79,2 % |
| Lokales HEMS | 84,4 % |
| Bezugsoptimierung mit Batteriespeicher | 85,7 % |
| Ansteuerung der Wallbox-Phasenumschaltung | 85,7 % |
| Eigenverbrauchsoptimierung mit Wärmepumpe | 94,8 % |
| Eigenverbrauchsoptimierung mit Wallbox | 96,1 % |
| Eigenverbrauchsoptimierung mit Batteriespeicher | 98,7 % |
Differenzierungsmerkmal 2: Herstellerbindung und Kompatibilitäten. Dreiviertel der Angebote sind herstelleroffen, das restliche Viertel funktioniert nur im Ökosystem des Anbieters. Bei Neuanlagen kann das Vorteile haben, weil es diesen Anbietern leichter fällt, funktionierende Schnittstellen zu den Komponenten zu entwickeln. Es ist ein Nachteil, wenn man gezielt bestimmte Komponenten einsetzen will oder später Komponenten austauschen muss oder nachrüsten will.
Aber auch bei den herstelleroffenen Systemen zeigen sich große Unterschiede bei den Kompatibilitäten. Wie sich aus der Übersichtstabelle erkennen lässt, liegt beispielsweise die Anzahl der Wechselrichter und Batterien, die als kompatibel hinterlegt sind, bei den meisten Systemen zwischen 20 und 100. Bei den Wärmepumpen und Wallboxen sind es unter 50, bei den Stromtarifen zwischen 2 und 5. Am Ende ist für den Anwender nicht entscheidend, dass besonders viele Kompatibilitäten angegeben werden, sondern die richtigen. Für die Optimierung auf dynamische Stromtarife ist es auch nicht unbedingt erforderlich, dass es eine ausgewiesene Kompatibiltät gibt, wenn das System Börsendaten berücksichtigen kann.
Martin Stötzel, Mitgründer von Spine und bei der Gründung des Vereins HEMS-Finder aktiv, weist außerdem darauf hin, dass die Kompatibilitäten zum Beispiel nach Firmware-Updates auch gepflegt werden müssen. „Firmware-Updates können das Verhalten von Bestandsanlagen verändern“, erklärt er.
Die Hardware der Geräte selbst unterscheidet sich übrigens nicht sehr. Viele nutzen Controller auf der so genannten ARM64-Architektur, manche sogar die Controller derselben Hersteller. Weil Hardware kein Differenziator ist, kann Spine mit dem “Energy Link One” eine lokale Hardwareplattform bereitstellen, auf die sich verschiedene Heimenergiemanager als App installieren lassen. Solar Manager, Consolinno, Reduxi und weitere werden über einen IoT-Hub bereitgestellt und lassen sich remote einspielen. Für Cloud-basierte Energiemanager kann das Gerät als „ergänzende Brücke“ fungieren, so Stötzel, wenn zum Beispiel eine netzdienliche Steuerung nach Paragraf 14a aufgebaut werden soll.
Die Idee ist nicht, dass Endkunden ständig das Energiemanagement ändern, sondern dass zum Beispiel Messtellenbetreiber die Hardware zusammen mit Steuerbox und Smart-Meter-Gateway installieren und den Kunden auch „Flex-Optimierung“ zur Verfügung stellen.
Differenzierungsmerkmal 3: Umsetzung der Regulatorik. An die Energiesysteme im Einfamilienhaus werden regulatorisch zwei Anforderungen zur Steuerung gestellt. Nach Paragraf 14a EnWG müssen die steuerbaren Verbraucher ab 4,2 Kilowatt (Batteriespeicher, Wärmepumpe, Wallbox) vom Netzbetreiber „dimmbar“, also in einem vorgegebenen Rahmen abregelbar, sein. Das lässt sich im Prinzip durch eine direkte Anbindung der Komponenten an die Steuerbox des Netzbetreibers umsetzen, die wiederum an das Smart-Meter-Gateway angeschlossen wird – wenn die Komponenten die entsprechende EEBus- oder Relais-Schnittstelle haben. Oder es lässt sich über das Heimenergiemanagementsystem umsetzten, was einige Vorteile mit sich bringt (siehe pv magazine Juni 2024, Seite 54). Dafür benötigt es eine Schnittstelle, entweder einen Eingang für eine Steuerung durch ein Relais oder über EEBus, was eine größere Differenzierung in der Steuerung erlaubt. Beide Optionen bieten 30 Prozent der Systeme. 24 Prozent der Systeme haben leider noch keins von beiden.
Die andere regulatorische Anforderung ist die Abregelung der Photovoltaikerzeugung nach Paragraf 9 EEG, ebenfalls über EEBus oder einen relaisgesteuerten Eingang. „Nur 23 Prozent der Unternehmen haben angegeben, das über EEBus umzusetzen“, sagt Haupt. „21 Prozent setzen es über eine Relaissteuerung um.“ 70 Prozent der Heimenergiemanager setzen keine der beiden Lösungen zu Paragraf 9 EEG um.
Prinzipiell lässt sich auch diese Abregelung durch eine direkte Verbindung des Wechselrichters mit der Steuerbox realisieren, dann muss dieser aber die entsprechende Schnittstelle haben. Der Nachteil dabei ist, dass dann unter Umständen die Photovoltaikerzeugung abgeregelt wird und auch der Eigenverbrauch betroffen ist. Das Heimenergiemanagement kann dagegen die Einspeiseleistung ab Netzanschlusspunkt abregeln, wodurch der Solarstrom nur nicht eingespeist, aber zum Eigenverbrauch genutzt und vor allem auch in die Batterie geladen werden kann. Aus Branchensicht ist das sicherlich eine sinnvolle Regelung, allerdings ist unklar, ob sie erlaubt ist (siehe Seite xyz).
Differenzierungsmerkmal 4: Kosten. Die nicht herstelleroffenen Systeme sind teilweise in der eigenen Hardware integriert, so dass keine Zusatzkosten anfallen. Die Hardwarekosten der herstelleroffenen Systeme liegen meist zwischen 250 und 1.000 Euro, mit Ausreißern nach unten. Die Systeme unterscheiden sich sehr darin, ob noch jährliche Kosten hinzukommen. Teilweise sind diese verpflichtend, teilweise fallen sie nur bei zusätzlichen Funktionen an. Insbesondere Cloud-Systeme haben nur jährliche Kosten. Die jährlichen Kosten liegen oft im Bereich von 50 bis 100 Euro pro Jahr. Die genauen Angaben können auf der HEMS-Finder Seite nachgesehen werden.
Differenzierungsmerkmal 5: Performance. Unabhängig von der Optimierungsstrategie stellt sich die Frage, wie effizient ein System die Komponenten so steuert, dass die geringsten Kosten oder die höchsten Erlöse entstehen. Die ersten Labortests an der Hochschule Ansbach erlauben zwar noch keine direkte Performance-Einschätzung, zeigen aber an einigen Aspekten sehr deutlich, worauf es ankommt und wie unterschiedlich reale Systeme agieren können (Seite 75).
Differenzierungsmerkmal 6: Bedienung und Optimierung. Die Bedienungsfreundlichkeit der Apps dürfte für Nutzer eines der wichtigsten Aspekte sei sein. „Der Markt teilt sich derzeit in die Systeme, die dem Nutzer nicht so viel Einfluss auf die Optimierung geben und andere, wo sie viel einstellen können“, sagt Simon Köppl, Head of Strategy & Products bei Consolinno. Das Unternehmen fährt die Strategie, Nutzern relativ viele Gestaltungsmöglichkeiten zu geben. Dazu zählen zum Beispiel die Möglichkeiten, in einer Priorisierung festzulegen, welches Gerät zuerst den Photovoltaik-Überschuss bekommt oder auch die Entladung der Hausbatterie zu blockieren, um das Elektrofahrzeug zu laden.
Dieses Thema wird in Zukunft noch eine größere Rolle spielen, wenn die Optimierung der Vermarktung des Solarstroms entlang von Börsenstrompreisen kommt (Seite xyz). Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Optimierungsmethoden. Auf der einen Seite steht die Optimierung anhand von Regeln, wie beispielsweise, „wenn mittags ein großer Solarstromüberschuss herrscht, morgens den Speicher nicht laden“. Auf der anderen Seite gibt es die mathematische Optimierung anhand einer Optimierungsfunktion. Hier sucht ein Algorithmus oder eine KI den günstigsten Kostenpunkt, wobei auch Mischformen denkbar sind. Regelbasierte Strategien haben den Vorteil, dass Nutzer sie besser verstehen können, Strategien mit mathematischer Optimierung haben den Vorteil, dass sie umfassender sind. „Man muss aber aufpassen, dass man Kunden nicht enttäuscht, weil sie am Ende das Verhalten ihrer Geräte nicht mehr nachvollziehen können“, sagt Köppl.
Die Frage der Durchschaubarkeit und Transparenz ist im Zusammenhang mit der zunehmenden Strommarktintegration gerade für die Abrechnung von Strombezug und Solarstromeinspeisung bedeutsam. Es wird vermutlich das nächste große Thema werden, wie die Systeme die auf den Strommarkt optimierte, zeitversetzte Einspeisung und den Intraday-Stromhandel nachvollziehbar umsetzen (Seite 58).
Die Pioniere von Sonnen haben mit der “Sonnenflat” von Anfang an auf einen pauschalierten Tarif gesetzt. Das Unternehmen verbindet die Heimspeicher zu einem virtuellen Kraftwerk, steuert dieses so, dass der maximale Ertrag entsteht und die Kunden zahlen eine Flatrate für den Reststrom, den sie aus dem Netz beziehen. Die detaillierte Steuerung ist für die Kunden nicht relevant, allerdings können sie die Erträge auch nicht im Detail nachvollziehen. Auf der anderen Seite stehen die Angebote von Lumenaza und Spotmyenergy, die sowohl für den Bezug als auch für die direktvermarktete Einspeisung pro Kilowattstunde abrechnen. Das ist transparenter, allerdings tragen Kunden ein höheres Strompreisrisiko.
Auch hier gibt es Mischformen, wie zum Beispiel der Tarif “Eon Comfort” für den Strombezug. Die Kunden erhalten dabei einen festen Strompreis, obwohl es ein an dynamischen Strompreisen orientierter Tarif ist. Sie bekommen aber einen Bonus, der von der Anzahl und Art der einbezogenen Verbraucher abhängt, die Eon in einem festgelegten Rahmen steuern darf (siehe pv magazine Webinar vom 24. April).
Weitere Entwicklung
Wie sich die auf Strommarkpreise optimierte Einspeisung durchsetzen wird, kann man noch nicht genau einschätzen. Wenn die Einspeisevergütung abgeschafft werden sollte, gibt es zwei Möglichkeiten. Derzeit ringen verschiedene Interessensgruppen darum, ob Anlagen auf Einfamilienhäusern im wesentlichen Eigenverbrauchsanlagen sein werden oder ob sie in noch größerem Maßstab Strom und Flexibilität für den Strommarkt bereitstellen können, was zu Marktpreisen vergütet würde und trotzdem profitabel wäre. Ob sich das durchsetzt, hängt im Wesentlichen von der Gesetzgebung und Regulatorik ab.
Die Anbieter geben uns einen Eindruck, wohin sich der Markt außerdem bewegt. Einige Produkte können nicht nur im Einfamilienhaus, sondern für komplexere Anwendungen eingesetzt werden wie in Mehrparteienhäusern, für Mieterstrom und im Kleingewerbe. Einen Teil der Systeme finden Sie daher ebenfalls in der Übersicht für Gewerbe-Energiemanagementsysteme.
Premium Selection
Einträge in die pv magazine Marktübersichten und Datenbanken sind grundsätzlich kostenfrei. Die Premium-Darstellungen sind von den Unternehmen zusätzlich gebucht. Details zu den einzelnen Unternehmen finden Sie jeweils unter dem Link „Zur Produktmeldung“. Hier geht es zur Marktübersicht-Seite: www.pv-magazine.de/hems/
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