Mit der seit 1. März geltenden Anwendungsregel VDE-AR-N 4105:2026-03 ist eine neue Anlagenklasse entstanden: die Kleinsterzeugungsanlagen. Für diese Anlagen gibt es nun ein Formular, das eine Laienanmeldung beim Netzbetreiber erlaubt. Ein Elektriker oder eine anderweitige Fachkraft ist für den Anschluss und die Anmeldung damit nicht zwingend erforderlich, auch wenn die realisierten Anlagen über deutlich größere Leistungen verfügen dürfen als etwa klassische Stecker-Solar-Geräte.
Marcus Vietzke, Gründer und Geschäftsführer von Indielux, wittert mit der Laienanmeldung, die Verteilnetzbetreiber spätestens nach einer Übergangsfrist bis März 2027 akzeptieren müssen, erhebliches Potenzial in der Anlagenklasse bis zehn Kilowatt Leistung. Sein Unternehmen hat bereits vor Jahren die „ready2plugin“-Technologie entwickelt. Der sogenannte Stromwächter überwacht die Begrenzung der Netzeinspeisung auf 800 Watt, auch wenn deutlich mehr Leistung im Haushalt angeschlossen wird. Diese Begrenzung am Netzanschluss ist auch für die neuen Kleinsterzeugungsanlagen in der VDE-Norm festgeschrieben.
Abgrenzung zu Stecker-Solar-Geräten
An diesem Punkt lohnt es sich, die neue Anwendungsregel genauer anzusehen. „Es stimmt, dass in der Neufassung der 4105 nicht explizit auf die Definition des ‚Steckersolargeräts‘ (Paragraf 3 Nr. 43 EEG) Bezug genommen wird. Die Begrenzung der Modulleistung auf zwei Kilowattpeak gilt nach wie vor für Steckersolargeräte, die nach EEG der unentgeltlichen Abnahme zugeordnet sind, das heißt von der Einspeisevergütung ausgeschlossen sind, und ausschließlich im Marktstammdatenregister angemeldet werden sollen“, sagt Frank Borchardt vom Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im VDE. „Für ‚Kleinsterzeugungsanlagen‘ gilt eine Begrenzung am Einspeisepunkt des Wechselrichters in die Hausinstallation auf 800 Voltampere. Wie viel Modulleistung hinter dem Wechselrichter steht, ist nicht begrenzt. Außerdem beinhaltet diese Anlage auch Speicher, kleine KWK- und Windanlagen oder Brennstoffzellen“, sagt Borchardt.
Das Angebot für diese Art von Anlagen wächst rasant. Gerade chinesische Anbieter, die aus dem klassischen Steckersolar-Geschäft kommen, wie Anker Solix, Ecoflow, Bluetti oder Jackery, erweitern ihr Portfolio sukzessive mit größeren Batteriespeichern, die in die Dimension von klassischen Heimspeichern und sogar darüber hinaus gehen. Zudem ermöglichen sie den Anschluss von mehr als zwei Kilowatt Modulleistung. Vermarktet wird das Ganze dennoch weiter unter dem Label „Plug & Play“, also einfach alles selbst machen und in die Steckdose stecken.
Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht, beliebig viel Leistung in eigenen Haushalt zu installieren, solange die Leistung des Wechselrichters auf 800 Watt am Netzanschluss begrenzt ist. Denn es sei zwar die Laienanmeldung beim Netzbetreiber für die Kleinsterzeugungsanlagen möglich, allerdings müssten auch die Installationsnorm DIN VDE V 0100-551-1, die Gerätenorm DIN VDE V 0126-95 sowie weitere Gesetze und Verordnungen, insbesondere Paragraf 13 der Netzanschlussverordnung (NAV), eingehalten werden. Auch liege bei einer Leistung von sieben Kilowatt ein Pflichteinbaufall für Smart Meter vor, erklärt Borchardt weiter.
Doch was bringt den Haushalten eine solche Kleinsterzeugungsanlage mit zehn Kilowatt Leistung und einem Speicher mit zehn Kilowattstunden, wenn die Netzeinspeisung auf 800 Voltampere begrenzt ist? „Rein rechnerisch können mit einer Wechselrichterbegrenzung von 800 Voltampere täglich bis zu 19,2 Kilowattstunden bereitgestellt werden – das entspricht einem Jahresstromverbrauch von rund 7.000 Kilowattstunden“, sagt Marcus Vietzke. Wie hoch der Eigenverbrauch letztendlich ist, hänge aber stark vom Lastprofil und den vorhandenen Verbrauchern ab.
Hohe Eigenversorgung möglich
Wie groß das Eigenversorgungspotenzial solcher Systeme ist, hat Joseph Bergner von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin ermittelt. „Das Potenzial ist durchaus vorhanden: Ein Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch um die 2.700 Kilowattstunden könnte im Mittel 83 Prozent seiner Energie decken, wenn das Speichersystem 24/7 Strom liefern kann“, sagt Bergner. Er schränkt jedoch ein, dass eine Photovoltaikanlage allein nicht in der Lage ist, den Speicher im Winter dafür ausreichend zu laden. Ferner könne das individuelle Verbrauchsverhalten das Ergebnis um etwa zehn Prozent beeinflussen.
Im Hinblick auf die Ausnutzung solcher Systeme gibt der Wissenschaftler zu bedenken, dass ein Haushalt mit einer Zehn-Kilowatt-Photovoltaikanlage und einem Zehn-Kilowattstunden-Speicher meist weniger als 40 Prozent der Solarenergie nutzen kann und verweist zur Abschätzung auf den von der Hochschule entwickelten Unabhängigkeitsrechner. Verzichtet man auf die Einspeisung samt Vergütung, um Elektriker und Direktvermarkter einzusparen, müssen Bergner zufolge jährlich rund 6.000 Kilowattstunden des erzeugten Solarstroms abgeregelt werden. Ob dies akzeptabel ist, müssten am Ende die Kunden entscheiden, aber den Sweet Spot der Dimensionierung trifft es vermutlich nicht, sagt er.
Ein Grund, warum Hausbesitzer vermehrt auf die Do-it-yourself-Lösungen setzen, sind oftmals die Kosteneinsparungen gegenüber der klassischen Installation einer Dachanlage. „Die neue Regelung beseitigt die größte bisherige Hürde: den zwingenden Elektriker mit den damit verbundenen Kosten von rund 3.000 Euro für den AC-Anschluss“, sagt Vietzke. Die Kleinsterzeugungsanlagen mit dem Einspeisewächter von Indielux lassen sich nach seinen Angaben etwa 40 Prozent günstiger als klassische Festinstallationen installieren. Über die Stromkostenreduktion würden auch ohne EEG-Vergütung Renditen von jährlich sieben Prozent erzielt. „Hinzu kommt der Wegfall der häufig ausgelösten Modernisierungspflicht der Elektroinstallation – die für einen Großteil des Bestandes eine Photovoltaikinstallation bislang schlicht unwirtschaftlich gemacht hat“, sagt Vietzke.
Doch nicht immer kann am Ende auf den Handwerker verzichtet werden – sei es wegen der fehlenden handwerklichen Begabung oder weil Haushalte doch ein größeres Potenzial der neuen Geräte nutzen wollen, was nur mit der fachgerechten Installation einer geprüften Einspeisesteckdose möglich ist. So liefert Anker Solix zu seinem neuen Speicher „Solarbank 4 Pro E5000“ auch „PluginPower 2.0“ mit. Letzteres ist die herstellereigene Bezeichnung für einen Wieland-Stecker, der durch eine TÜV-Sicherheitsprüfung zertifiziert ist. Die Installation muss durch einen qualifizierten Elektriker erfolgen.
Modell auch für Handwerker attraktiv
Erst dann kann der Fünf-Kilowattstunden-Speicher mit vier integrierten MPP-Trackern und einer Photovoltaik-Eingangsleistung von bis zu fünf Kilowatt , auch netzgekoppelt mit einer größeren AC-Leistung als 800 Watt betrieben werden. Anker Solix hat sich dafür auch mit Installationspartnern zusammengetan. Für Deutschland ist das exklusiv die Solarcan GmbH. Die Firma mit Sitz in Düsseldorf verfügt über eigene Handwerkerteams und arbeitet mit Partnerinstallateuren für eine deutschlandweite Abdeckung zusammen, wie Manager Zhicheng Cao sagt. Aktuell bietet Solarcan verschiedene Installationspakete an. So kostet ein Upgrade für das Basisset von Anker Solix mit fünf Kilowatt Photovoltaik und 10,8 Kilowattstunden Speicher sowie dem sogenannten „Power Dock“ ab 2.499 Euro. Die entsprechenden Komponenten müssen die Endkunden vor der Installation separat bestellen und anliefern lassen.
Warum sind Fachhandwerker bereit, Anlagen zu installieren, bei denen sie nicht in die Planung eingebunden waren und die Komponenten nicht selbst verkaufen? Janik Nolden fallen da gleich mehrere Gründe ein. „Die Installateure sparen sich viele Kosten für Produkte und Lagerhaltung und gestalten somit ihren Betrieb deutlich schlanker, was Investitionen und gebundenes Kapital angeht“, sagt der Geschäftsführer von Solago, das unter anderem die Plattform „Solarhandel 24“ betreibt, auf der Endkunden die Komponenten für Photovoltaikanlagen und Speicher direkt einkaufen können.
Dazu komme, dass Installateure, die nur die Komponenten verbauen, einen höheren Stundensatz verrechnen könnten. Für die Endkunden würde sich das dennoch lohnen, da sie die Komponenten sehr günstig online erwerben und so in Summe eine preisgünstige Photovoltaikanlage erhielten. „Teilweise werden Vorbereitungsarbeiten vom Kunden durchgeführt, so dass der Installateur auch mehr Baustellen bedienen kann und somit seine Erträge erhöht“, sagt Nolden weiter.
Handwerksbetriebe verlangen in diesem Fall gern Pauschalen. „Wir nehmen 130 Euro für jedes Modul, was wir installieren. Dazu kommt, dass mindestens ein Schnellgerüst für 400 Euro notwendig ist, wenn die Module aufs Dach sollen“, sagt Alexander Ueberle von Nova Energy. Mit vier Modulen ist man damit schnell bei 1.000 Euro für die Installation, was viele Privatkunden dann doch eher wieder abschrecke und sie sich eher Handwerker suchten, die weniger Wert auf Arbeitssicherheit legten und es möglicherweise schwarz machten. Neben der DC-Montage für Fremdkomponenten hat Ueberle auch ein Pauschalpaket für AC-Montage im Angebot. Dies liegt je nach Aufwand bei 400 bis 600 Euro, wobei seine Handwerker die Leitungen der Steckdose bis zum Zählerschrank prüfen und auch auf welcher Phase das System sinnvollerweise angeschlossen werden sollte, damit der erzeugte Solarstrom auch direkt im Haushalt verbraucht wird.
Doch nicht diese Art der Montagen ist es, die Unternehmen wie Nova Energy voranbringen. Es sind vielmehr die Leads, die es von „Solarhandel24“ oder anderen Online-Plattformen für Interessenten in der Region in und um Karlsruhe erhält. „Niemand kauft die Komponenten ein, wenn die Montage nicht sichergestellt ist“, sagt Ueberle weiter. Diesen Moment nutze er, die interessierten Hausbesitzer zu beraten. „Die meisten sind überrascht, wie günstig eine Acht-Kilowatt-Photovoltaikanlage mittlerweile ist“, sagt er.
Dabei biete Nova Energy den Kunden volle Transparenz über die Kosten. So gebe es ein Online-Meeting, bei dem je ein Berater und Planer von Nova Energy dabei sind und eine Auslegung auf eine wirtschaftliche Anlagengröße vorgenommen wird. „Dazu werden die Verbräuche und Erzeugung simuliert, eine 3-D-Planung vorgenommen und gleich noch die passenden Komponenten für das entsprechende Dach ausgesucht“, erklärt Ueberle zum Vorgehen. Alle Komponenten gebe Nova Energy ohne Aufschlag an die Kunden weiter. In aller Regel bestellt das Unternehmen dann aber direkt bei „Solarhandel24“. Binnen zwei bis drei Wochen würden die Anlagen dann bei den Kunden installiert und noch am selben Tag in Betrieb genommen, berichtet Ueberle nicht ohne Stolz. „Jede Anlage machen wir dabei 14a-konform und schauen, dass die Kunden ein Energiemanagementsystem haben.“
Für Nova Energy arbeiten je drei Planer und Berater. Dazu kommen je drei Teams für die DC- und AC-Montage. „Damit können wir drei Anlagen pro Tag parallel realisieren“, sagt Ueberle. Die Komponenten lässt Nova Energy am Vortag der Montage von „Solarhandel24“ direkt auf die Baustelle liefern. Diese schlanken Prozesse und maximierten Zeitaufwände für Planung und Installation sind es letztendlich, die ein solches Vorgehen für den Betrieb lohnenswert machen. „Dafür haben wir auf Handwerk 2.0 umgestellt und alles, was ging, digitalisiert und automatisiert“, sagt Ueberle. „Unsere Erfolgsquote bei den Kunden kann sich dabei durchaus sehen lassen.“ Nova Energy generiert nach seinen Aussagen aus 4,2 Anfragen einen Auftrag.