Die gängige Faustformel bei der Planung von Anlagen lautet bislang oft, eine Kilowattstunde Speicher pro ein Kilowatt Photovoltaik-Leistung zu installieren. Dass diese Rechnung nur bedingt aufgeht, zeigt nun ein neuer Service der SIC! Software GmbH. Sie bietet das Tool „perfectPV“ an, mit dem sich binnen weniger Minuten mit einem KI-basierten Analyseservice die optimalen Speichergrößen für jeden Haushalt ermitteln lassen.
Es soll Haushalte vor teuren Fehlinvestitionen schützen und kostet einmalig 39 Euro. Der Service funktioniert in drei Schritten. Zunächst müssen die Nutzer ihre Smart-Meter-Daten oder Photovoltaik-Anlagenstatistiken der vergangenen zwölf Monate hochladen. Sofern keine eigenen Daten vorliegen, werde auf Basis weniger Angaben zum Lebensstil ein KI-generiertes individuelles Musterprofil erstellt. Im zweiten Schritt muss das Optimierungsziel ausgewählt werden. Also ob der Speicher die Stromkosten minimieren, die Autarkie maximieren oder sich möglichst rasch lohnen soll. In wenigen Minuten erstelle das System ein detailliertes PDF mit präziser Dimensionsempfehlung für Speicher und Photovoltaik-Anlage, einer Amortisationsrechnung und grafischen Simulationsdarstellungen, heißt es von SIC! Software weiter.
Das Heilbronner Start-up liefert gleich eine Beispielrechnung mit: Es werden dabei Batteriespeichergrößen für drei Familien mit unterschiedlichem Verbrauchsverhalten im Zusammenhang mit einer 10 Kilowatt Photovoltaik-Anlage simuliert. Bei einem identischen Verbrauch von 5.500 Kilowattstunden zeigen sich je nach Lebensgewohnheiten, dass die Heimspeicher 6, 10 oder 14 Kilowattstunden Kapazität haben sollten. Der kleine Speicher wird beispielsweise nur gebraucht, wenn im Homeoffice gearbeitet wird und ein Elternteil tagsüber mit den Kindern überwiegend zu Hause sei. Dann werde der Solarstrom weitestgehend direkt verbraucht. Mit einem 6 Kilowattstunden-Speicher würde die Familie einen Autarkiegrad von 77 Prozent erreichen.
Bei einer Familie, bei der alle Mitglieder tagsüber außer Haus sind, würde sich dagegen ein 14 Kilowattstunden-Batteriespeicher lohnen. Da der Verbrauch tagsüber gering ist, liegt der Autarkiegrad nur bei 17 Prozent. Mit einem großen Speicher kann der erzeugte Solarstrom von der eigenen Photovoltaik-Anlage zwischengespeichert werden und dann verbraucht werden, wenn die Familie zu Hause ist.
„Die Faustformel kann zufällig für das persönliche Verbrauchsprofil passen und liegt für alle anderen zum Teil weit daneben – mit den entsprechenden finanziellen Konsequenzen“, erklärt Rayko Enz, Geschäftsführer von SIC! Software. In den Fällen, wo die Familien einen kleineren Speicher – als nach der Faustformel berechnet – benötigen, würden die Haushalte etwa 800 Euro pro Kilowattstunde installierte Speicherkapazität einsparen. Brauchen Sie jedoch einen deutlich größeren Speicher, spart auch dies im Endeffekt, da die Familien weniger Strom aus dem Netz beziehen müssen.
Nach eigenem Bekunden hat SIC! Software kein Provisionsinteresse. Es sei weder im Vertrieb noch der Installation von Photovoltaik-Anlagen tätig. Mit dem Tool wolle es eine herstellerunabhängige Entscheidungsgrundlage anbieten. Es eignet sich dabei sowohl bei der Planung einer Neuanlage wie auch zur Nachrüstung eines Batteriespeichers. Das Land Baden-Württemberg hat den Service über seine „Invest BW Innovationsförderung“ als „Smarte Lösung für Klimaschutz und Digitalisierung“ ausgezeichnet und gefördert.