Der Photovoltaikzubau spielt sich bekanntermaßen vor allem im Gewerbe-, Industrie- und Utility-Scale-Sektor mit seinen großen Freiflächenanlagen ab. Darauf reagieren die Hersteller von Montagesystemen und präsentieren auf der Intersolar Europe Neuheiten, bei denen es vor allem darum geht, Anlagen noch schneller und einfacher und mit weniger Personal montieren zu können. Dazu kommen neue Produkte und Weiterentwicklungen für wachsende Produktsparten wie Gründächer und Agri-Photovoltaik. Wer bei den Unternehmen nachfragt, bekommt bei der Identifikation wichtiger Branchentrends viel Übereinstimmung, aber teils auch unterschiedliche Einschätzung zu hören. Und: Manches von diesen aktuellen Trends kommt einem bekannt vor.
Katharina David, CEO von K2 Systems, fasst zusammen, was auch andere Hersteller feststellen: „Wir beobachten eine deutliche Skalierung bei gleichzeitig steigender Komplexität: Projekte werden größer und vielfältiger – nicht nur im Freilandsegment, sondern zunehmend auch wieder bei gewerblichen Dächern, Carports und Fassaden, häufig in Kombination mit Speichern. Gleichzeitig sehen wir europaweit eine Verschiebung installierter Leistung hin zu größeren Anlagen im Utility-Scale-Bereich.“ Aber auch versiegelte Flächen wie Parkplätze, Logistik- und Produktionsflächen rückten in den Fokus, ebenso wie große Flächen im Umfeld von Industriearealen und Rechenzentren.

David beschreibt eine Entwicklung, die nicht wirklich neu, aber ungebrochen aktuell ist: Zeit sei zu einer kritischen und kostenintensiven Ressource geworden, Kostendruck und enge Terminpläne erhöhten die Anforderungen an Montagesysteme deutlich. Gefragt seien „einfache, schnelle und standardisierte Lösungen, die gleichzeitig flexibel einsetzbar sind.“ K2 Systems setze daher konsequent auf das modulare Baukastensystem. Modularität lautet aber auch bei anderen Herstellern das Motto. „Der grundsätzliche Trend ist unverändert: Materialeinsatz optimieren und Montagezeit und Aufwand reduzieren“, sagt Daniel Rehm, CEO bei Schletter Solar.
Einschubsysteme sollen Zeit und Personal sparen
Mit diesen Zielen präsentiert Schletter ein neues Sparrensystem für Freilandanlagen, das als Einschubsystem konzipiert ist – eine Art Revival, denn Einschubprofile galten vor etlichen Jahren auch im Freiflächensegment schon einmal als patente Lösung. Während bei gängigen Systemen die Module von oben aufgelegt und mit Klemmen fixiert werden, werden sie hier von unten zwischen die Sparren eingeschoben und mit selbstsichernden Klemmen fixiert.
Auch K2 führt ein Einschubsystem in den Utility-Scale-Markt ein. Beim „K2 Pi-Rack“, einem „optimierten Stahltragwerk“ mit Zink-Magnesium-Aluminium-Beschichtung, werden die Module in ein doppelseitiges Profil eingeschoben und von unten geklemmt (siehe Seite 129).
Erweiterungen bestehender Systeme
Für Agri-PV-Anwendungen stellt Schletter eine weiterentwickelte Version eines einachsigen Trackers vor. Das System ist höher gebaut, so dass bei einem 1P-Tracker (mit einreihiger, hochformatiger Modulanordnung) die in einigen europäischen Märkten als Fördervoraussetzung geforderte Bodenfreiheit von 2,1 Metern zur Modulunterkante eingehalten wird.

Auch für das Dachsegment stellt Schletter eine Erweiterung vor. Das Flachdachsystem „FixGrid Pro“ wurde um eine Variante für Gründächer erweitert und das mit nur einem einzigen zusätzlichen Bauteil. „Systemaufbau, Montage und aerodynamische Eigenschaften bleiben unverändert, ergänzt wird lediglich ein zusätzliches Stützblech“, erklärt Rehm. „Damit lassen sich mit einem bekannten und einfach zu installierenden System Aufbauhöhen auf Gründächern von bis zu 35 Zentimetern erzielen.“
Wachsendes Segment Gründach
Gründächer sind auch bei Novotegra und Premium Mounting Technologies (PMT) ein Fokus. Gründe für die steigende Nachfrage nach diesem Anlagentyp nennt Novotegra-Geschäftsführer Thomas Pfaff: „Erweiterte Bauvorgaben fördern Dachbegrünung, vor allem im Hinblick auf Wasserrückhalt, Klimaanpassung und Biodiversität. Kommunale Förderprogramme verstärken diesen Trend zusätzlich, in vielen Städten ist Dachbegrünung bei Neubauten bereits Pflicht.“ Novotegra erweitert deshalb die Planungsmöglichkeiten für diesen Anlagentyp. Außerdem lassen sich die Systeme nun auch einreihig – also normalerweise in Südausrichtung – anordnen, was Zugang und Wartung erleichtern soll. Beim Ost-West-System für Gründächer sorgen breitere Wartungsgänge – 60 statt 42 Zentimeter – für bessere Zugänglickeit. Ost-West-Anlagen werden im Übrigen nicht mehr als Trend genannt, sondern vielmehr als der mittlerweile übliche Standard auf Flachdächern.

Durchaus als Trend sieht Novotegra hingegen Fassadenanlagen an Gewerbebauten: Die Dächer seien häufig schon belegt und der Energiebedarf für die Elektrifizierung steige weiter. Passend dazu entwickelt das Tochterunternehmen von Baywa r.e. Lösungen für Fassaden, insbesondere für Mauerwerk und Blechfassaden. So präsentiert Novotegra eine neue Mauerwerkslösung auf Basis seiner „Evo“-Schiene inklusive statischer Berechnung und Abbildung im Planungstool Solar-Planit.
PMT bezeichnet Gründachsysteme als „zentralen Zukunftsmarkt“ und sieht viel Potenzial im urbanen Gewerbebau, weil hier der Druck zur multifunktionalen Nutzung von Dachflächen steige. „Der Markt entwickelt sich weg von ‚Photovoltaik auf einem Gründach‘ hin zu integrierten Solar-Gründachsystemen“, beobachtet Geschäftsführer Felix Bräuer. Das Unternehmen hat deshalb zusammen mit dem Kunststoff-Recycler Purus Plastics eine Systemlösung mit dem etwas sperrigen Namen „ECOgreen meets PMT EVO GREEN“ entwickelt und präsentiert diese erstmals auf der Intersolar. Vorrangiges Ziel der Entwicklung war die Reduzierung der Dachlasten. Das System komme nahezu ohne zusätzlichen Betonballast aus, so Bräuer (siehe Seite 129).
Stahl oder Aluminium
Er sieht noch einen anderen Trend – und auch den gab es, oft in Abhängigkeit von den Aluminiumpreisen – schon mehr als einmal: „Stahl gewinnt gegenüber Aluminium an Bedeutung.“ Derzeit, erklärt Bräuer, könnten Stahlkonstruktionen je nach Projekt „bis zu 30 Prozent günstiger sein als Aluminiumlösungen. Gleichzeitig bietet Stahl einen steiferen Verbund und verursacht, insbesondere bei der Verwendung von grünem oder recyceltem Stahl, häufig einen deutlich besseren CO₂-Fußabdruck als Primäraluminium.“ Und im höheren Gewicht sieht Bräuer auch einen Vorteil, es reduziere teilweise externen Ballast wie Betonsteine.
PMT bietet seit 2023 das Ost-West-System X118 an und Bräuer geht davon aus, dass solche Stahlsysteme in diesem Jahr bis zu 40 Prozent des Umsatzes seines Unternehmens ausmachen werden. Aluminium habe allerdings „auch weiterhin absolut seine Berechtigung“, sagt er, insbesondere weil sich neue Modulformate und Anforderungen an Kabelführung und Regularien damit deutlich flexibler und schneller umsetzen ließen.
Ob Stahl – bei Freiflächenanlagen ohnehin zumindest für die Grundkonstruktion längst fest am Markt etabliert – tatsächlich auch bei Dachanlagen Marktanteile gewinnt, scheint aber nicht ausgemacht. Die Meinung, dass der Trend sich in diese Richtung bewegt, teilen die anderen befragten Hersteller jedenfalls nicht – plädieren aber ebenfalls dafür, je nach Anwendung das besser passende Material zu wählen. (Ina Röpcke)