Das EEG 2027 verändert den Photovoltaik-Markt – Aber anders als viele befürchten

Das Bundeskabinett hat am 30. Juli die Entwürfe für die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket beschlossen. Die feste Einspeisevergütung für neue Photovoltaik-Anlagen soll entfallen. Kleinere Anlagen dürfen nur noch 50 Prozent ihrer Leistung ins Netz einspeisen. Die Direktvermarktung wird zum Standardmodell.

Die Branche reagiert überwiegend kritisch auf die Pläne. Eigenheimbesitzer sind verunsichert. Verbände warnen vor einem Einbruch der Installationszahlen. Der Bundesverband Solarwirtschaft spricht von einem „falschen Signal“.

Die Sorgen sind nachvollziehbar. Doch sie unterschätzen, was der deutsche Eigenheim-Solarmarkt bereits leisten kann. Vorausgesetzt, man rechnet richtig.

Was 28 Millionen Dächer verraten

Der im Juni von uns veröffentlichte „German Rooftop Valuation Report“ liefert eine Datengrundlage, die in der aktuellen Debatte erstaunlich wenig Beachtung findet. Wir bei GreenSketch haben dafür alle 28 Millionen Eigenheim-Dächer in 401 Landkreisen einzeln bewertet. Nicht hochgerechnet, nicht simuliert. Jedes Dach individuell, auf Basis von Satellitenbildern, KI-gestützter 3D-Gebäuderekonstruktion und GIS-Daten.

Entscheidend: Alle Berechnungen basieren auf einer optimierten Konfiguration mit 10,34 Kilowatt Photovoltaik und 9,6 Kilowattstunden Batteriespeicher. Förderungen wurden bewusst ausgeklammert.

Die Ergebnisse widersprechen dem Krisenszenario. Der durchschnittliche Haushalt in Deutschland spart 1620 Euro Stromkosten pro Jahr. Die Investition amortisiert sich nach 8,44 Jahren. Die Kapitalrendite liegt bei 11,5 Prozent. Nach 20 Jahren stehen im Schnitt 19.030 Euro Rendite. Kein einziger der 401 Landkreise  hätte eine negative Bilanz, wenn man Anschaffungskosten der Ersparnis gegenüberstellt.

Diese Zahlen stehen in deutlichem Kontrast zu den Szenarien, die gerade die Debatte bestimmen. Die viel zitierte „PV2027“-Studie des Solarenergie-Fördervereins kommt auf Amortisationszeiten von bis zu 25 Jahren. Der Unterschied liegt in den Annahmen: Die „PV2027“-Studie rechnet mit Nulleinspeisung ohne Batteriespeicher. Der „Rooftop Valuation Report“ rechnet mit optimiertem Eigenverbrauch und Batteriespeicher. Zwei völlig verschiedene Szenarien, die zu völlig verschiedenen Ergebnissen führen.

Die Einspeisevergütung war längst nicht mehr der Haupthebel

Die Debatte um die Einspeisevergütung verdeckt den eigentlichen Strukturwandel. Schon vor dem Kabinettsbeschluss lag die Vergütung für neue Anlagen weit unter dem Haushaltsstrompreis. Der finanzielle Vorteil der Netzeinspeisung war entsprechend gering. Jede Kilowattstunde, die ein Haushalt selbst verbraucht, ersetzt hingegen eher teuren Netzstrom.

Das EEG 2027 macht diesen Trend regulatorisch verbindlich. Die feste Vergütung entfällt. Die 50-Prozent-Kappung begrenzt die Einspeisung. Die Smart-Meter-Pflicht wird auf Anlagen über zwei Kilowatt ausgeweitet.

Für Eigenheimbesitzer ergibt sich ein klares Bild: Die Wirtschaftlichkeit entscheidet sich künftig am Eigenverbrauch. Batteriespeicher werden nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern systemisch notwendig. Die durchschnittliche Eigenverbrauchsquote lag 2024 bei 17 Prozent. Mit Speicher steigt sie auf 60 bis 90 Prozent. Das verändert die gesamte Rechnung.

Nüchterner Blick auf die Übergangsregelung

Die Details des Kabinettsbeschlusses verdienen mehr Aufmerksamkeit als die Schlagzeilen. Für Neuanlagen unter 50 Kilowatt gibt es ab 2027 eine Übergangs-Einspeisevergütung über 36 Monate. Für eine typische 10-Kilowatt-Anlage mit Teileinspeisung sind das 6,63 Cent pro Kilowattstunde. Das liegt nur einen Cent unter dem aktuellen EEG-Satz. Danach folgt der Wechsel in die Direktvermarktung, flankiert durch einen Bonus von 1,5 Cent pro Kilowattstunde für bis zu 48 Monate.

Die Schwelle sinkt stufenweise: 50 Kilowatt ab 2027, 25 Kilowatt ab 2028, 7 Kilowatt ab 2029. Balkonkraftwerke bis 2 Kilowatt sind ausgenommen. Sie erhalten weder Übergangsvergütung noch Kappung, speisen aber unentgeltlich ein.

Für Eigenheimbesitzer, die auf Eigenverbrauch mit Speicher setzen, ändert sich an der Grundrechnung wenig. Die Rendite kommt nicht aus der Einspeisung. Sie kommt aus dem Strom, den der Haushalt nicht mehr vom Netz kaufen muss.

Was sich für Installateure ändert

Die operative Auswirkung auf Installationsbetriebe ist erheblich. Die Herausforderung liegt allerdings nicht in der Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Sie liegt im Vertriebsprozess.

Bisher verkaufte sich Photovoltaik-Dachanlagen über ein einfaches Versprechen: feste Vergütung, 20 Jahre, garantierte Rendite, minimaler Erklärungsbedarf. Das funktioniert ab 2027 nicht mehr. An seine Stelle tritt ein beratungsintensiveres Modell. Installateure müssen ihren Kunden individuell erklären, wie sich ein System aus Photovoltaik, Speicher und Eigenverbrauch rechnet. Wie hoch ist der tatsächliche Eigenverbrauch? Lohnt sich der Batteriespeicher? Wie schnell amortisiert sich die Investition?

Das erfordert bessere Daten im Vertrieb. Die Einspeisevergütung war das einfachste Verkaufsargument der letzten 20 Jahre. Ab jetzt entscheidet die Qualität der Beratung. Installateure, die ihren Kunden mit faktenbasierten Zahlen zeigen können, warum sich ein System lohnt, werden mehr verkaufen als diejenigen, die auf eine Rückkehr der alten Bedingungen warten.

Die Technologie hinter unserem Report steht dem Markt bereits zur Verfügung. Emily, der KI-Assistent von GreenSketch, analysiert jede Eigenheim-Adresse in wenigen Sekunden und erstellt eine fundierte Photovoltaik- und Batterieanalyse mit konkreten Zahlen zu Kosten und Rentabilität für den Endkunden. Für Installateure ist das ein Vertriebswerkzeug: Eigenheimbesitzer, die über Emily ihr Dach schätzen lassen, landen als qualifizierte Leads direkt beim passenden Installateur. Unsere Plattform übernimmt dann den gesamten Workflow vom Lead über das Anlagendesign bis zur fertigen Planung. Beides kostenlos. Das ersetzt nicht die fachliche Beratung. Aber es liefert die Datengrundlage, die Kunden in einem förderfreien Markt erwarten werden.

Kurzfristiger Boom, mittelfristige Neuordnung

Die EEG-Novelle wird voraussichtlich im September im Bundestag und Bundesrat beschlossen. Die EU-Kommission muss sie anschließend beihilferechtlich genehmigen, bevor das Gesetz zum 1. Januar 2027 in Kraft treten kann.

Für den deutschen Eigenheim-Markt zeichnet sich eine vorhersehbare Dynamik ab. Im zweiten Halbjahr 2026 steigen die Installationsanfragen. Eigenheimbesitzer wollen vor dem Stichtag noch zu den aktuellen Bedingungen installieren. Das Muster kennt die Branche aus früheren EEG-Anpassungen.

Nach dem 1. Januar 2027 wird die Nachfrage kurzfristig einbrechen. Danach sortiert sich der Markt auf Basis der neuen Rahmenbedingungen neu. Installateure, die ihren Vertriebsprozess bereits auf Eigenverbrauch und individuelle Beratung umgestellt haben, werden in dieser Phase im Vorteil sein.

Die Wirtschaftlichkeit steht

Das EEG 2027 markiert einen Systemwechsel, aber keinen Wertverfall. Die Analyse von 28 Millionen Dachflächen zeigt: Die finanzielle Grundlage für private Photovoltaik-Anlagen ist robust. Was sich verändert, ist der Weg zur Entscheidung. Eigenheimbesitzer brauchen bessere Informationen. Installateure brauchen schnellere Werkzeuge.

Deutschland hat mit dem EEG zwei Jahrzehnte lang den globalen Solarausbau für Privathaushalte angeführt. Es wäre eine verpasste Chance, ausgerechnet jetzt an einem Fördermodell festzuhalten, das seine Aufgabe erfüllt hat. Die Technologie ist erschwinglich. Die Renditen sind solide. Die Werkzeuge stehen bereit.

Christian Seidemann, Greensketch

Der Autor Christian Seidemann ist Lead Customer Success Manager DACH bei Greensketch, der KI-gestützten Photovoltaik- und Batterieplattform der australischen OSW Group. Der ausgebildete Industrietechnologe (Siemens Technik Akademie München) war zuvor unter anderem als Sales Director DACH bei TCL SunPower Global sowie bei Voltstorage und Ensotec tätig. Seit 2026 verantwortet er den Aufbau des deutschen Marktes für Greensketch und beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, wie KI und datengestützte Vertriebsprozesse den Solarmarkt verändern und Installateure erfolgreicher machen können.  

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