Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) hat seine seit Jahren immer wieder vorgetragene scharfe Kritik an den Betreibern der deutschen Stromverteilnetze erneut bekräftigt. „Verteilnetzbetreiber im Renditehoch: Warum das deutsche Netzentgeltregime Stromkunden Milliarden kostet“ heißt die vom Verband vorgelegte Untersuchung der zu den 18 größten Verteilnetzbetreibern aktuell verfügbaren Daten für das Jahr 2024.
Der BNE-Analyse zufolge lag die marktanteilsgewichtete handelsrechtliche Eigenkapitalrendite dieser Netzbetreiber, bei denen rund die Hälfte aller Haushalte und Unternehmen angeschlossen seien, im Jahr 2024 bei rund 30,1 Prozent. Für 2023 ermittelte der BNE eine Eigenkapitalrendite von 16,6 Prozent, betont aber gleichzeitig, dass 2021 bis 2023 in dieser Hinsicht „eher niedrigere Jahre“ waren. 2017 bis 2020 sei das Niveau ähnlich gewesen wie 2024.
Damit seien die großen Verteilnetzbetreiber 2024, gemessen an Renditen und eingesetztem Kapital, zumindest im Segment ab 1 Milliarde Euro Jahresumsatz die profitabelsten Unternehmen in Deutschland gewesen. Besonders erfolgreiche Unternehmen in anderen Branchen wie etwa Siemens Energy, SAP oder Rheinmetall haben demnach deutlich niedrigere Eigenkapitalrenditen erzielt. Damit seien „die Unternehmen mit den höchsten Gewinnen in diesem Land Netz-Monopolisten, die ohne Konkurrenz wirtschaften können.“
Besonders hohe Renditen ermittelte die Analyse für EWE Netz (61 Prozent), Westnetz (45 Prozent), die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom (43 Prozent) und Bayernwerk Netz (38 Prozent). Generell erzielen die großen Verteilnetzbetreiber demnach seit Jahren deutlich höhere Erträge als die kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsungen vermuten lassen. Der BNE verweist auf die im März vorgelegte Studie „Kostensenkungspotentiale im Verteilnetz“ von Tim Meyer, der zufolge Netzkunden perspektivisch um bis zu drei Milliarden Euro jährlich entlastet werden könnten, wenn die tatsächlichen Renditen auf ein angemesseneres Niveau sinken würden.
„Mutmaßlich mangelnde Kostenprüfung“
Besserung ist nach Einschätzung des BNE aber nicht in Sicht. Zentrale Gründe für die Gewinne seien die sehr große Freiheiten bei der Bestimmung der Netzentgelte; es gebe „mutmaßlich eine mangelhafte Kostenprüfung durch die Regulierungsbehörden“, auch nicht entstehende Kosten könnten den Netzkunden in Rechnung gestellt werden. Zudem trügen die Verteilnetzbetreiber „kaum ein unternehmerisches Risiko“. Es gebe aber keinen Grund zu der Annahme, dass die Renditen ab 2029 wesentlich sinken. Vielmehr dürften die dann greifenden, von der Bundesnetzagentur festgelegten Abrechnungsregeln „die Renditen sowie die Netzentgelte zusätzlich erhöhen“.
Der BNE attestiert deshalb – nicht zum ersten Mal – großen Reformbedarf. Während die großen Verteilnetzbetreiber „risikolose Traumrenditen einfahren“ und die Netzentgelte für Verbraucher und Unternehmen seit Jahren steigen, „hinkt Deutschland bei Netzanschlüssen, bei der Digitalisierung der Netze, bei der Standardisierung von Netzanschlussprozessen sowie beim Smart-Meter-Rollout hinterher“. Die Regulierung müsse stärker auf die realen Gewinne sowie die tatsächliche Leistung der Netzbetreiber ausgerichtet werden. Mehr Transparenz über Kosten und Gewinne, eine konsequente Kostenkontrolle, schnellere und bundesweit einheitliche Netzanschlussverfahren sowie stärkere Anreize für Digitalisierung und intelligente Netznutzung seien erforderlich. „Wer in einem regulierten Monopolmarkt hohe Renditen erzielt, muss mindestens auch bei Netzausbau, Digitalisierung und Kundenservice liefern. Die aktuelle Netzkrise zeigt, dass genau hier erheblicher Nachholbedarf besteht“, betont BNE-Geschäftsführer Robert Busch.