Batteriespeicher-Finanzierung: Fully Merchant geht mit Risikoaufschlag

Sie haben im Januar gemeldet, dass Sie für ein 100-Megawatt- und 200-Megawattstunden-Speicherprojekt von Münch Energie die Finanzierung strukturiert haben. Wie sieht sie aus?

Peer Günzel, Geschäftsführer der DAL: In der Praxis geht es bei der Strukturierung solcher Projekte darum, verschiedene Stellschrauben passgenau aufeinander abzustimmen. Dazu zählen die Finanzierungsform, die Laufzeit, die Zinsstruktur, die Tilgung und die Einbindung von Fördermitteln. Das erfolgt immer vor dem Hintergrund des eingesetzten Eigenkapitals und der Anforderungen des Risiko­managements der finanzierenden Banken. Diese Komplexität zu managen, ist der Mehrwert, den wir als DAL in solche Projekte einbringen. Die konkrete Ausgestaltung ist dabei sehr individuell. Zu Details einzelner Finanzierungen äußern wir uns grundsätzlich nicht. Dafür bitten wir um Verständnis

Peer Günzel, Geschäftsführer DAL
Peer Günzel, Geschäftsführer der DAL | Foto: DAL

Unter welchen Bedingungen sind Sie bereit, Batteriespeicher fully-merchant zu finanzieren?

Wie auch bei tolling-basierten Finanzierungen kommt es für uns bei Fully-Merchant-Projekten auf eine gewisse Planbarkeit an, insbesondere mit Blick auf die zu erwartenden Cashflows und die Deckung des Kapitaldienstes. Gleichzeitig gilt: Wenn ein Projekt vollständig marktabhängig ist, steigen aus Banksicht die Anforderungen. Das heißt konkret: Es wird mehr Eigenkapital benötigt, die Anforderungen an die Schuldendienstfähigkeit sind höher und die Laufzeiten kürzer.

Kommen solche Finanzierungen vor?

Aktuell sehen wir Fully-Merchant-Ansätze vor allem bei kleineren Batteriespeicherprojekten. Auf Basis unserer langjährigen Erfahrung in der Erneuerbare-Energien-Finanzierung lassen sich Projekte mit hoher Qualität und bei einer schlüssigen Datengrundlage fundiert bewerten. Gleichzeitig ist die langfristige Marktentwicklung schwer vorhersehbar. Deshalb konzentrieren wir uns derzeit auf Batteriespeicher, die kurzfristig ans Netz gehen – und nicht erst in drei Jahren.

Gibt es da wirklich keinen Eigenkapital­anteil in Form einer Bürgschaft oder Ähnlichem, sondern ist das wirklich eine Non-Recourse-Projektfinanzierung?

Wir sehen beide Strukturen im Markt. Und ja, wir finanzieren Fully-Merchant-Projekte auch auf Non-Recourse-Basis. Der Eigenkapitalanteil, den Investoren in solche Projekte einbringen müssen, fällt dann entsprechend beziehungsweise spezifisch höher aus. Das ist der Ausgleich für das höhere Risiko rein marktabhängiger Erlöse.

Wie unterscheiden sich Laufzeiten, Fremdkapitalquoten und der Schuldendienstdeckungsgrad?

Bei Fully-Merchant-Projekten sind wir naturgemäß konservativer unterwegs als bei Finanzierungen mit abgesicherten Erlösstrukturen. Wir arbeiten mit zusätzlichen Risikoabschlägen auf die prognostizierten Erträge und achten auf eine solide Schuldendienstdeckungsrate. Das führt in der Regel zu höheren Eigenkapitalanforderungen und häufig auch zu kürzeren Laufzeiten. Solche Projekte werden aktuell eher über sechs bis sieben Jahre finanziert.

Wann ist ein Tolling-Vertrag aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Im Kern ist das für Investoren immer eine Abwägung zwischen Rendite und Sicherheit. Beim Fully-Merchant-Modell bleibt die gesamte Marktchance beim Betreiber – allerdings ebenso das volle Exposure gegenüber Marktpreisschwankungen. Ein Tolling-Agreement reduziert diese Unsicherheit, weil der Abnehmer das Preisrisiko übernimmt. Das bringt mehr Planungssicherheit in die Erlösstruktur und verbessert in der Regel die Finanzierungsbedingungen. Gerade in einem unsicheren Marktumfeld, wie wir es derzeit erleben, kann ein attraktiver Tolling-Vertrag eine wirtschaftlich sinnvollere Option sein. Solche Strukturen kommen derzeit vor allem bei größeren Projekten zum Tragen.

Wie sehen Sie die Entwicklung bezüglich Tolling-Verträgen in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Das hängt von der Marktentwicklung ab. Wenn die Konditionen für Tolling-Verträge unattraktiv sind, wird es auch einen Bedarf für Fully-Merchant-Finanzierungen für kleine Projekte geben. Je mehr der Bedarf nach Stromspeichern gedeckt wird und je mehr Marktteilnehmer das gleiche Betriebsmodell verfolgen, desto schwieriger dürfte sich wiederum das Umfeld für Fully-Merchant-Modelle entwickeln. Wenn alle unterstützt durch KI billig einkaufen und teuer verkaufen wollen, lässt sich irgendwann keine Arbitrage mehr realisieren.

Co-Location-Projekte gelten in der Finanzierung als anspruchsvoller. Nehmen wir an, für den Solarstrom liegt ein Zuschlag vor, der Batteriespeicher wird vermarktet. Können Sie das finanzieren und ist das dann eine gemeinsame Projektfinanzierung für beide Anlagen?

Solche Co-Location-Projekte sehen wir inzwischen sehr häufig. In der Praxis werden große Photovoltaikanlagen heute kaum noch ohne Batteriespeicher geplant. Grundsätzlich lässt sich das in einer gemeinsamen Projektfinanzierung abbilden. Auch hier steigt die Komplexität, da wir nun nicht mehr zwei individuelle Erlösstrukturen, sondern die optimierte Kombination aus Photovoltaikanlagen- und Batteriespeicher-Erlösen bewerten.

Wie standardisiert sind die Finanzierungen in der Branche?

Das Strukturieren von BESS-Finanzierungen erfordert generell ein sehr spezifisches Know-how, das nicht an jeder Ecke zu finden ist und zudem kontinuierlich weiterentwickelt und aktualisiert werden muss. Als Teil der S-Finanzgruppe haben wir den Vorteil, dass wir nicht nur die Struktur ausarbeiten, sondern den Kredit auch bei unseren Partnern platzieren können. Anders als in „klassischen“ EE-Projekten haben sich unter den Banken hier noch keine klaren Standards herauskristallisiert, aber wir nehmen auch hier eine Intensivierung des Wettbewerbes unter Banken wahr.

Die Fragen stellte Michael Fuhs.

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