Die überraschende Abschaltung des Förderportals am Mittwoch und die Abschaffung des 65-Prozent-Erneuerbaren Anteils für neue Heizungen am Freitag führen zu einschneidenden Änderungen am Heizungsmarkt und das obwohl sich eine hohe Kundenzufriedenheit langsam herumspricht und gute Absatzzahlen zu Einsparungen bei CO2-Emissionen führen.
Aus Sicht der Wärmepumpenbranche ist es beinahe tragisch. Jedesmal, wenn sich die Nachfrage positiv entwickelt, wird der Aufschwung von politischen Diskussionen, Förder- und Gesetzesänderung beeinträchtigt. War es 2023 die Debatte um den „Heizungshammer“, die das Ziel, 500.000 Wärmepumpen pro Jahr zuzubauen, topedierte, ist es nun die erneute Anpassung des Gebäudeenergie- oder neu, Gebäudemodernisiserungsgesetzes, die die durchaus schwungvolle Entwicklung der letzten Monate abrupt stoppt.
2025 waren 299.000 neue Wärmepumpe eingebaut worden von insgesamt 627.000 neuen Wärmeerzeugern. Damit übertrafen die Wärmepumpen erstmals den Absatz von Gasheizungen, berichtet der Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie (BDH). Ölheizungen wurden mit 22.500 Geräten kaum noch verkauft. Nach dem Einbruch der Absatzzahlen bei Wärmepumpen 2024 erholte sich der Markt wieder deutlich (siehe Grafik).

Auch im ersten Quartal zeigte sich ein Wachstum bei Wärmepumpen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 41 Prozent. Darin dürfte die Unsicherheit durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus noch nicht enthalten sein. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge benötigen 75 Prozent der Gebäudeeigentümer, die eine Wärmepumpe anschaffen, dafür einen Vorlauf von zwei bis zwölf Monaten. Doch auch diese Situation dürfte viele Haushalte im Frühjahr dazu anregt haben, sich verstärkt auf einen Wechsel des Heizungssystems einzulassen, so dass der Bundesverband Wärmepumpe schon auf einen Absatz von 400.000 Stück in diesem Jahr hoffte.
Nun wird diese Prognose in Frage gestellt, da das Förderportal überraschend am Mittwoch abgeschaltet wurde und in den nächsten drei Wochen keine Anträge eingereicht werden können. Erst am 21. Juli soll die Förderung unter den neuen Bedingungen fortgesetzt werden. Wer bislang auf eine Fortsetzung der Förderung bis 2029 vertraute, kommt nun zu spät, es sei denn, es liegt bereits die Bescheinigung zum Auftrag (BzA) vom Installationsbetrieb vor. Bisher seien pro Monat etwa 30.000 Förderzusagen von der KfW verschickt worden, erläuterte Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpen am Freitag – im Schnitt also 1000 Zusagen pro Tag. Kunden müssen nun ihre Projektplanung überdenken und auf die Wiedereröffnung warten, während Installationsbetriebe mitten in der Saison Lücken in den Auftragsbüchern hinnehmen müssen.
Gewinner und Verlierer
Mit den neuen Förderbedingungen kann sich im Einzelfall zwar eine verbesserte Fördersituation ergeben, für die meisten Haushalte sind aber Einbußen absehbar. Von den neuen Förderbedingungen können in ersten Linie Haushalte mit Kindern und geringem Einkommen profitieren. Eine Familie mit Kind und einem Einkommen bis 40.000 Euro hätte nach den alten Fördersätzen bei einer Investitionssumme von 30.000 Euro maximal 21.000 Euro Förderung erhalten können. Neu sind bis zu 22.400 Euro möglich. Auch in der Klasse zwischen 40.000 und 50.000 Euro profitiert die Familie. Wären vorher ohne Einkommensbonus 16.500 Euro Förderung möglich gewesen, steigt der Satz durch die Anhebung auf 19.600 Euro, ein Plus von 3.100 Euro. Allerdings müssen sie dafür perspektivisch ein europäisch gefertigtes Produkt kaufen. Die genauen Regeln für den sogenannten „Wertschöpfungsbonus“, der für „Made in Europe“-Geräte gewährt werden wird, werden erst im zweiten Halbjahr festgelegt. Sie treten dann voraussichtlich zum 1. Januar 2027 in Kraft.
Eigentümer ohne Kinder oder mit höherem Einkommen verlieren mit den neuen Förderbedingungen. Standen ihnen bisher 30 Prozent Grundförderung, 20 Prozent Geschwindigkeitsbonus und 5 Prozent Nachhaltigkeitsbonus auf eine Fördersumme von 30.000 Euro zu, also 16.500 Euro, reduziert sich die Fördersumme nun zunächst auf 28.000 Euro und der Geschwindigkeitsbonus auf 16 Prozent. Da der Nachhaltigkeitsbonus auf das Kältemittel oder die Erdbohrung entfällt, kommen sie nun nur noch auf höchstens 12.880 Euro.
Das Argument, dass die Senkung der Förderung eine schnelle Senkung der Kosten für den Einbau der Wärmepumpen nach sich zieht, versuchten Sabel und Michael Hoppe vom Handwerker Beirat des Wärmepumpen-Verbandes zu entkräften. Sie erwarten keine signifikanten Senkungen bei den Gerätepreisen oder beim Aufwand, den die Installationsbetriebe beim Einbau haben, daher würden die Gesamtkosten des Projektes eher nicht sinken.
Insgesamt haben die Einsparungen durch die Modernisierung von Heizungen 2025 zu einem Rückgang der Emissionen um knapp zwei Millionen Tonnen CO2-Äquivalent geführt, hat der Bundesverband der Heizungsindustrie ausgerechnet, 1,5 Millionen davon entfallen auf Modernisierungen durch Wärmepumpen. Der Beitrag durch effizientere Gasheizungen ist dagegen marginal.
Nun öffnet aber das am Freitag beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz den Weg, mit einer Gasheizung und der sogenannten Biotreppe klimaneutral zu werden, obwohl die Kosten und die Verfügbarkeit von Biogas nicht vollständig geklärt sind.
Die Kritikpunkte, die nach dem Beschluss am Freitag auch der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke bekräftigte und den viele Vertreter anderer Interessen ebenfalls teilen, lautet im Kern: „Im Zusammenspiel von Streichung der 65-Prozent-Regelung, Änderung der BEG-Förderung und dem unbefristet möglichen Weiterbetrieb fossiler Heizungen wird gerade bei der Heizungserneuerung ein Anreiz gesetzt, wieder auf fossilen Energieträgern beruhende Heizungstechnologie einzubauen, weil dies kurzfristig billiger ist. Das kann jedoch zur Kostenfalle werden.“ Auch Vergleichsrechnungen belegen, dass langfristig die Kosten für Gasheizungen unterschätzt werden. Eine solche Rechnung finden Sie im aktuellen pv magazine „Wärmepumpe besser als Biotreppe“.
In der Forsa-Umfrage zum Meinungsbild über Wärmepumpen waren mit 42 Prozent die hohen Anschaffungskosten ausschlaggebend für Eigentümer, sich keine Wärmepumpe anzuschaffen, sondern weiter auf Gasheizungen zu setzen. Bei 57 Prozent der Befragten stand die Wärmepumpe gar nicht zur Diskussion oder wurde vom Installateur als ungeeignet abgelehnt. Nur ein Drittel der Befragten fühlen sich über die Förderbedingungen gut informiert. Deshalb ist auch die Abschaffung der obligatorischen Beratung vor Einbau einer fossilen Heizung ein Kritikpunkt der Branche. Bei den 800 Befragten, die sich für den Einbau entschieden haben, überwiegt dagegen Zufriedenheit. 83 Prozent würden die Entscheidung wieder so treffen.