Als am 30. Juni 2026 der zweite EAG-Fördercall für Photovoltaik-Investitionszuschüsse endete, war das Ergebnis für viele ernüchternd: Die bereitgestellten rund 20 Millionen Euro waren binnen 33 Sekunden ausgeschöpft. Die Anträge summierten sich auf rund 120 Millionen Euro – das Sechsfache der Summe, die für die Förderung zur Verfügung stand. Von knapp 28.000 eingereichten Anträgen konnten nur rund 3000 berücksichtigt werden. Schon beim ersten Fördercall des Jahres konnten etwa 16.000 Anträge nicht bewilligt werden, weil nicht ausreichend Mittel vorhanden waren.
Wie gehen Endkunden und Installateure mit der Situation um? Die Antworten fallen unterschiedlich aus.
Wenn die Förderzusage schon eingepreist ist
Markus Geiselhart hat sich gemeinsam mit seiner Partnerin für eine Photovoltaik-Anlage samt Speicher entschieden – ergänzend zu einer neuen Wärmepumpe, die er sich zuhause in Pfaffstätten südlich von Wien einbauen lässt. Ein Elektroauto besitzt er bereits, das er künftig ebenfalls mit dem selbst erzeugten Solarstrom laden will. Der Installationsbetrieb kalkulierte die Förderung von rund 2.000 Euro in den Gesamtpreis ein und reichte den Antrag gleich mit ein. Eine Woche nach der Eingangsbestätigung kam die Absage: Die Fördermittel seien aufgebraucht. Von den 33 Sekunden erfuhr Geiselhart eher zufällig, bevor die offizielle Absage eintraf. „Mir kann niemand erzählen, dass das durchdacht war“, sagt er. „Wenn ein Budget nach 33 Sekunden aufgebraucht ist, ist das für mich politisches Versagen.“ Es ärgert ihn, dass die Förderung so selbstverständlich in die Preisverhandlung eingerechnet wurde, obwohl sie nie sicher war. Dennoch sei für ihn klar, dass er das Projekt auch ohne Förderung durchzieht.
Aufträge geplatzt – ein Handwerksbetrieb zahlt drauf
Das gilt längst nicht für alle Endverbraucher: Bei Liebert Elektrotechnik mit Sitz in Wien sind vier bereits zugesagte Aufträge geplatzt. Die Kunden hatten ihre Kaufentscheidung direkt an die Förderzusage geknüpft. Weitere könnten folgen. Der Elektro-Familienbetrieb von Günther und Katharina Liebert mit rund 15 Mitarbeitern hatte von über 20 eingereichten Anträgen genau eine Zusage erhalten. Die Reaktionen der Kunden reichen von Resignation bis zu offenem Zorn auf Politik und Verwaltung.
„Wir haben natürlich niemandem eine Förderung vertraglich zugesichert, aber optimistisch kommuniziert, dass es sie wahrscheinlich geben wird“, berichtet Liebert. Deshalb habe er beschlossen, seinen Kunden nun aus eigener Tasche entgegenzukommen.
Branche: Lieber keine Förderung als dieses Chaos
Bei niedrigen Budgets müsse die Politik genauer definieren, wer gefördert werden soll, findet Liebert. Er betont dabei den sozialen Aspekt: „Ich versteh nicht, warum jemand, der Millionen im Jahr verdient, eine Förderung braucht, während die Pensionistin, die sich alles zusammengespart hat, durchfällt, weil sie nicht rechtzeitig eingereicht hat.“ Oder man müsse die Photovoltaik-Förderung ganz streichen, wenn das Budget von vornherein nur für einen Bruchteil der Anfragen reicht.
Damit steht er nicht allein. In jeweils eigenen Presseaussendungen kommen auch Christian Bräuer, Bundesinnungsmeister der Elektrotechniker, und Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Photovoltaic & Battery Austria (PV&B Austria; ehemals Bundesverband Photovoltaic Austria), zum selben Schluss: Ein kompletter Verzicht wäre dem jetzigen Chaos vorzuziehen. Paierl zufolge schaffe die derzeitige Förderung Verunsicherung und verhindere Projekte, statt sie zu ermöglichen. Bräuer bezeichnet den vergangenen Fördercall als „Lotterie“ und wirft der Politik vor, „die Expertise der Branche zu ignorieren“.
Die Bundesinnung fordert einen grundlegenden Systemwechsel. Statt kurzfristiger Fördercalls brauche es ein „ganzheitliches und langfristig planbares Fördersystem, das Investitionen ermöglicht und die Energiewende nachhaltig unterstützt.“
Auch der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria unterstützt die Forderung nach einem Neustart. „Es braucht jetzt eine rasche, unkomplizierte Lösung und nicht nur Ankündigungen für die Zukunft“, sagt Geschäftsführerin Vera Immitzer.
Markus Geiselhart schlägt vor, zur früheren Mehrwertsteuerbefreiung zurückzukehren. Gleichzeitig wirft er die Frage auf, wem die Förderung letztlich zugutekommt – der Industrie, dem Handwerk oder dem Kunden.
Statt reinem Zubau: Systemdienlichkeit zählt
Dass Reformbedarf besteht, bestreitet auch das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus nicht: „Das aktuelle System bringt für niemanden mehr einen Mehrwert“, heißt es auf schriftliche Anfrage von pv magazine. Ein gezogenes Ticket sei aber nie gleichbedeutend mit einer Förderzusage gewesen, betont das Ministerium – frühere Jahre, in denen zusätzliches Geld nachgeschossen wurde, seien kein nachhaltiger Umgang mit Steuergeld gewesen. Auch eine Rückkehr zum Nullsteuersatz sei allein aus budgetären Gründen keine Option. Statt des reinen Modul-Zubaus sollen künftig Speicher, Eigenverbrauch und Netzdienlichkeit im Vordergrund stehen. Wie genau die Gelder vergeben werden, ist noch offen. Ein entsprechendes Modell will das Ministerium noch vor dem Oktober-Call vorlegen. Fest steht für das Ministerium: Die „Sekundenlotterie“ soll der Vergangenheit angehören.
Auch der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria hält sich mit konkreten Konzepten noch zurück: „Wir stimmen uns gerade mit der Bundesinnung für einen gemeinsamen Vorschlag ab“, sagt Vera Immitzer. Der Verband stehe in sehr konstruktivem Dialog mit den Verantwortlichen im Ministerium. Sie sei zuversichtlich, dass am Ende trotz knapper Budgets eine planbare Lösung stehe.
Die dafür notwendige Gesetzesänderung benötigt eine Zweidrittel-Mehrheit im österreichischen Nationalrat. Die Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS sind somit auf die Unterstützung aus den Reihen der Opposition angewiesen, etwa von den Grünen.
Oktober: Förderlotterie, die Letzte?
Aus diesem Grund ist es auch nicht möglich, die Förderlogik für den dritten EAG-Call vom 8. bis 22. Oktober kurzfristig anzupassen. Dieser wird daher noch nach dem alten Prinzip vonstattengehen. Liebert rät seinen Kunden inzwischen, ihr Losglück bei der Ticketziehung selbst zu versuchen, während sein Betrieb wie gehabt die weitere Einreichung übernimmt. Geiselhart empfiehlt anderen, die über eine Photovoltaik-Anlage nachdenken, sich nicht von der Förderung abhängig zu machen: „Probieren, aber nicht damit rechnen.“ Denn es gehe ohnehin nicht nur ums Sparen, sondern auch um ein Stück Unabhängigkeit vom Netz und von Energieversorgern – und um einen Beitrag zum Klimaschutz.